Dumme rennen ...

„Dumme rennen,

 Kluge warten,

 Weise gehen in den Garten.“

 

Ich fand diese Zeilen auf einer Fahrradtour vor einem Garteneingang. Darunter stand die Aufforderung: „Tritt ein!“

Ich bin an mein Coaching erinnert. Auch ich habe als Coach den Anspruch, „Türen“ zu öffnen und Menschen Wege aufzuzeigen, wie sie die Herrschaft über ihre Lebenszeit zurückgewinnen und ihre Selbststeuerungskompetenz optimieren können.

 

Ja, viele Menschen rennen.

Wer nimmt sich heute im Business noch Zeit zu warten, geschweige denn in den Garten zu gehen? Viele rennen nach dem Geld, nach Prestige und Erfolg. Immer effizienter werden die Prozesse geplant und gestaltet, um noch effektiver Ergebnisse zu erbringen.  Der Leistungsdruck in der beschleunigten Wirtschaftswelt steigt ebenso wie die Arbeitsdichte.  Gefangen im selbst erstellten oder fremdbestimmten Zeitplan fühlen sich viele Klienten ausgeliefert und unfrei.  Hinzu kommt der Eindruck, sie könnten etwas verpassen. Es könnte bspw. eine Nachricht eingegangen sein, die noch beachtet oder schnell beantwortet werden muss. Das Handy ist zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Auf ihm erscheinen wie von Zauberhand für den Einzelnen zugeschnittene Vorschläge und darüber hinaus lockt ein schier unbegrenztes Meer verheißungsvoller Angebote.

Wer könnte hier warten? 

 

Eingebunden ins gesellschaftliche Termingetriebe wird nach Feierabend noch schnell eingekauft, ein paar Besorgungen werden erledigt, um dann rechtzeitig nach Hause zu kommen. Hier geht das Rennen weiter, schnell noch diese E-Mail beantworten und den gewünschten Rückruf tätigen. Ach ja, da sind ja noch die Kinder und die Ehefrau. Langsam reicht´s! Es wird schnell gegessen, um anschließend vor dem Fernseher abzuschalten. Alltag. Wer kennt das nicht? Doch ist das klug oder weise?

 

Eine ungesunde Ernährung und zu viel Alkohol begleiten häufig diese Raserei; Aufputsch- und Beruhigungsmittel sollen die negativen Folgen der eigenen fehlgeleiteten Selbststeuerung korrigieren. Was aber in dieser Situation wirklich helfen würde, wäre die kritische selbstehrliche Überprüfung der eigenen Situation, ggf. die Aktivierung des Willens zur bewussten Änderung und die Übernahme der Selbststeuerung in Eigenverantwortung. Letztendlich geht es um Selbstfürsorge und um die Rückgewinnung der Herrschaft über die eigene Lebenszeit.

 

„Kluge warten.“ Ihnen wird beim Warten nicht langweilig, weil sie auf ein Ereignis bezogen sind, das ihr Bewusstsein ausfüllt, Sie sind gespannt auf das, was kommt, selbst dann noch, wenn die Zeit des Wartens lang wird. Eine Vorfreude und die Neugier straffen ihre Aufmerksamkeit. Achtsam registrieren sie Veränderungen in ihrer Umgebung, bis das Erwartete eintritt. Gespeist wird das Warten durch die Aussicht, dass der erwartete Mensch auch tatsächlich kommt, das Ereignis eintritt, die Erwartung sich erfüllt. Wer vergeblich wartet, wird enttäuscht. Er ist vielleicht gekränkt und frustriert und mag sich ärgern, dass ihm die Zeit gestohlen wurde, die er auch besser hätte nutzen können. Nach einer Enttäuschung kann er allerdings seine Erwartung korrigieren, Illusionen erkennen. Wer wartet, ist auf Zukünftiges bezogen, das eintreten kann. Es besteht die Möglichkeit, dass es wirklich wird. Entsprechend setzen wir unsere Ziele.

 

Wer sich langweilt, dem fehlt die Intention auf das, was kommen soll oder kommen kann. Dies Warten ist unbestimmt, es ist ein Warten auf Nichts. Die Erwartung läuft leer. Die Erfahrung der sinnentleerten Zeit in der Langeweile bietet jedoch auch eine Chance. Sie kann zum Weckruf werden, sich aus der Konsumentenposition zu erheben, den falschen Versprechungen auf den Flachbildschirmen der Sehnsüchte zu widerstehen. Der Mensch kann der von außen durch die Standardisierung und kulturindustrielle Uniformität kommenden Langeweile mit der Globalisierung der Geschmäcker, Moden und Geschäfte den eigenen Willen zum Sinn entgegensetzen. Er kann neu anfangen und neue lebenswerte Sinnfelder für sich erschließen.

 

Wenn Menschen rennen, so rennen sie häufig aus dem Gefühl des Müssens, sie fühlen sich von Notwendigkeiten getrieben oder sie wollen etwas schnell erreichen. Im Prozess des Rennens ist keine Zeit zum Innehalten. Scheinbar folgen sie einer Notwendigkeit des Vorwärtskommens und erleben den Verlust ihrer Freiheit darin, nicht frei zu sein für eine Unterbrechung. Anhalten, Innehalten und den eigenen Standort bestimmen sind nun aber die Voraussetzungen für eine neue Orientierung und für die Entscheidung für einen selbst bestimmten Weg. Coaching gibt hier Anstöße für einen neuen Anfang.

 

„Weise gehen in den Garten.“ Weshalb gehen sie in den Garten?

Im Garten verbinden sich Natur und Kultur. In ihm wird sowohl die menschliche Gestaltungskraft als auch die natürliche Schöpfungskraft sichtbar und erlebbar. Menschen pflanzen, säen und ernten, sie hegen und pflegen, was ihnen vertraut und anvertraut ist. Sie dienen dem Leben, indem sie u. a. Nahrungsmittel erzeugen, Blumen pflanzen, die die Sinne erfreuen und Erholungsorte schaffen für kreative und kontemplative Tätigkeiten. Der Garten enthält vielfältige wertvolle Sinnangebote und lädt den Müden ein zum Verweilen. Wer die Weisheit liebt, findet im Garten die Gelegenheit ohne Nützlichkeitserwägungen in Ruhe zu schauen. Er muss nicht rennen nach Anerkennung und Gewinn, auch nicht ungeduldig warten, dass das Ereignis eintritt, sondern kann frei von Nützlichkeitserwägungen und fremden Zwecken in Muße wandeln.

 

In der Coaching Akademie in Hannover öffnet Coaching die Tür zu den einzigartigen Gärten jedes Einzelnen und zeigt Wege zu den individuell bedeutsamen Sinnfeldern.